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Maria Cäcilia Autsch
Sr. Maria Angela vom heiligsten Herzen Jesu
1900-1944 |
Mit ihrem Taufnamen hieß sie Maria Cäcilia und
wurde am 26. März 1900 als fünftes von sieben Kindern
des Maschinisten August Autsch und seiner Frau Amalie in Rölleken
im Sauerland geboren. 1915 begann sie eine kaufmännische
Lehre in einem Textilkaufhaus in Finnentrop und war dort 15
Jahre als erste Kraft tätig. Schon als Kind verspürte
sie in sich eine Neigung zum Ordensberuf, die sie jedoch erst
im Alter von 33 Jahren durch den Eintritt in die aus Spanien
stammende Schwesterngemeinschaft der Trinitarierinnen verwirklichte.
Die einzige deutschsprachige Niederlassung befand sich in Mötz
in Österreich. Bei der Einkleidung am 4. Juli 1934 erhielt
sie den Namen Schwester Angela Maria vom Heiligsten Herzen
Jesu.
Mit dem Anschluß Österreichs im März 1938
an das nationalsozialistische Deutschland geriet auch das
Kloster Mötz in Gefahr. Der damalige Gauleiter wollte
Hitler zu dessen 50. Geburtstag im April 1939 ein klosterfreies
Tirol melden, und so sollte das in spanischem Besitz stehende
Schwesternhaus in Mötz auch beschlagnahmt werden. Wegen
öffentlicher Äußerungen gegen das Hitlerregime
verhaftete die Gestapo Schwester Angela am 12. August 1940,
und schon am 1. September wurde sie in Ravensbrück eingeliefert.
Sie erhielt die Nummer 4651. Maria Rosenberger, eine der Mitgefangenen,
die das Lager überlebt hat, berichtete später: "Einige
der Aufseherinnen haben Angela auch bewußt schikaniert,
weil sie eine Nonne war. Aber das hat ihr nichts ausgemacht.
Sie hatte ein besonderes Lächeln, und wie gern hat sie
mit uns gelacht. Wenn sie mir morgens heimlich zuwinkte -
sie stand im Nachbarblock - freute ich mich den ganzen Tag.
Maria war wie ein Sonnenstrahl in der finsteren Hölle.
Ich fragte sie manchmal: Wovon lebst du denn, wenn du dein
Brot immer weggibst? Sie antwortete: Wenn ich Hunger habe,
bete ich. Dann vergesse ich. Dabei sah sie mit ihren Bäckchen
aus wie das blühende Leben, auch wenn sie hungerte. Wir
bekamen täglich ein Stück Brot und mittags die dünne
Steckrübensuppe. Da schwammen auch schon mal Würmer
drauf." Maria Rosenberger war schwanger ins Lager gekommen
und erfuhr die Nähe von Angela als sehr hilfreich. "Daß
ich überlebt habe, verdanke ich Angela Autsch. Sie hat
mir immer wieder Mut gemacht und besonders im Anfang, als
das Kind unterwegs war. Wenn sie in der Nähe war, fühlte
man sich wie neugeboren. Angela war eine Heilige in der Hölle
des KZ. Zuerst arbeitete Angela wie wir draußen. Nach
einigen Wochen kam sie in die Krankenstube. Sie war dabei,
als ich mein Kind bekam. Als ich wieder zu mir kam, teilte
sie mir auf einem Zettel mit - sie durfte nicht mit mir sprechen
-, daß mein neugeborenes Kind in den Gasofen geworfen
ist. Dafür sorgte der SS-Arzt. Über dem Lager lag
dieser süßliche Geruch von verbrannten Menschen.
Kinder liefen zwischen uns herum. Von Zeit zu Zeit wurden
sie einfach in den Ofen geworfen."
Schwester Angela war Zeugin der regelmäßig stattfindenden
Selektionen kranker und alter Frauen, der Jüdinnen und
Zigeunerinnen, die nach Bernburg zur Vergasung geschickt wurden.
Anfangs hieß es: die Frauen werden in andere Lager verlegt.
Doch als die Kleider der verschleppten Frauen nach einigen
Tagen wieder in Ravensbrück ankamen, wußten alle,
welches das Ziel dieser sogenannten schwarzen Transporte war.
Auch eine andere Art von Selektionen bekam Schwester Angela
mit: Der Bedarf an Prostituierten für die SS-Bordelle
und die Bordelle in den KZ der Männer, vor allem Mauthausen,
wurde durch "Frauenmaterial" aus Ravensbrück
gedeckt. Zunächst wurden die Professionellen ausgesucht,
später meldeten sich auch Häftlinge, die sich durch
solche Dienste die Freiheit erhofften, was allerdings nicht
der Fall war. - Ravensbrück war auch Ausbildungslager
für die Aufseherinnen. Etwa dreitausend Frauen sollen
durch diese Schule gegangen sein, die dann in anderen KZ ihr
Schreckensregiment ausgeübt haben.
Zum Aufbau des Frauenlagers in Auschwitz verließ am
25. März 1942 ein Transport mit tausend Frauen Ravensbrück.
Darunter waren Aufseherinnen, viele politische Häftlinge,
die sogenannten Rotwinkeligen, genannt nach dem Stoffwinkel
auf ihrem Ärmel, aber noch mehr Grünwinklige, das
waren die Kriminellen. Ob Schwester Angela sich freiwillig
zu dem Transport gemeldet hat, ist nicht bekannt. Am 26. März
1942, dem Tag ihrer Ankunft in Auschwitz, wurde Schwester
Angela genau 42 Jahre alt. Das erhalten gebliebene Polizeifoto
dieses Tages zeigt Schwester Angela in Sträflingskleidung
mit dem obligatorischen Kopftuch. In ihrem freundlichen, offenen
Gesicht umspielt ein Lächeln ihren Mund.
Zwei Tage nach ihrer Ankunft war der zweite slowakische
Judentransport dort eingetroffen. Unter den diesen Häftlingen befand
sich die Ärztin Margita Schwalbová, die ebenfalls
dem Krankenrevier zugeteilt wurde. Vom ersten Tag an war sie
mit Schwester Angela zusammen. Inmitten des fürchterlichen
Elends erlebte Manci, wie sie genannt wurde, eine Insel der
Freundschaft und Zuwendung. Angela pflegte Manci und die anderen
Frauen, als Flecktyphus im Lager wütet. Später wird
sie selber daran erkranken und trotz ihres schweren Herzleidens
wieder genesen. 1947 schrieb Manci über Angela: "Was
sie im Konzentrationslager Auschwitz für ihre Mithäftlinge
tat, tat sie mit großer Selbstverständlichkeit und
Natürlichkeit, nur aus einem großen menschlichen
Gefühl, leidenden Menschen helfen zu müssen. Tausendmal
brachte sie sich selber in Gefahr, unzählige Male gefährdete
sie dadurch ihr eigenes Leben, aber sie zögerte nie, keinen
Augenblick. Sie ging ihren geraden leuchtenden Weg. Am 15.
Mai 1943 wurde Schwester Angela in das SS-Lazarett versetzt.
Nun mußte sie diejenigen pflegen, deren Aufgabe es war,
die täglich aus ganz Europa eintreffenden Menschen in
den Tod zu befördern. Ihr wurde angeboten, Freie Schwester
zu werden mit gleichzeitiger Entlassung aus dem KZ, wenn sie
ihre Ordensgemeinschaft verlassen würde. Am 23. Dezember
1944 kreiste ein Flugzeug über dem Lager. Ein Volltreffer
auf das Lazarett brachte vielen SS-Männern den Tod.
Schwester Angela starb an einem Herzschlag.
Erhalten geblieben sind ihre 100 Briefe aus vierjähriger
Haftzeit. Aus den verschlüsselten Texten spricht tiefer
Glaube an Gott. Diese Briefe und das Zeugnis ihrer Mithäftlinge
waren Anlaß für das Erzbistum Wien am 8. März
1990 den Seligsprechungsprozeß einzuleiten und die
Dokumente zu ihrem Leben zu sammeln. |