 |
Henryka Dembowska
1893 - 1942
Malgorzata Dembowska
1922 - 1942 |
 |
Henryka Sokolowska wird am 22. April
1893 in Brzez nahe Pilica in Polen geboren. 1911 beginnt sie
ein Geschichtsstudium an der Universität Warschau. Sie
wird im Ersten Weltkrieg in der revolutionären Fraktion
der polnischen sozialistischen Partei und in einer polnischen
Militärorganisation als Botengängerin aktiv.
1918 heiratet sie Wlodzimierz Dembowski. Danach ist sie als
Geschichtslehrerin tätig.
Henryka bringt ihren fünf Kindern die Liebe und den Glauben
an Gott nahe. Eine Tochter wird später Ordensschwester,
ein Sohn Bischof.
Malgorzata, ihr zweites Kind, wurde am 26. Februar 1922
geboren. Liebevoll beschreibt die Mutter in ihrem Tagebuch
die Entwicklung von Malgorzata und ihre "Sehnsucht nach
dem Frühling". Neben der Erziehung der Kinder schreibt
Henryka Gedichte und den Roman "Sylwester". Ihre
Literatur wird im polnischen Radio gelesen. Über den
privaten Bereich hinaus organisiert sie Unterricht für
Kinder mittelloser Eltern, hilft Armen und Arbeitslosen und
ist zeitweilige Vorsitzende eines Frauenverbandes.
Beim Überfall der deutschen Armee auf Polen lebt die
Familie in Warschau Die Kinder werden bis auf Malgorzata zu
ihren Verwandten nach Brzez geschickt. Im Frühling 1940
besteht Malgorzata im mittlerweile verbotenen und heimlich
weitergeführten Gymnasium ihr Abitur. Mutter und Tochter
arbeiten aktiv für den Untergrund und sind als Meldegängerinnen
für den militärischen Widerstand, die spätere
Landesarmee, tätig. Die Familie Dembowski wird gleich
zu Beginn des Krieges von einem polnischen Polizisten darüber
informiert, daß Henryka bei den Deutschen auf einer
Schwarzen Liste stehe.
Henryka wird am 15 Mai 1941 von der Gestapo verhaftet, als
sie sich in einer Wohnung befindet, in der eine jüdische
Kommunistin festgenommen wird. Auch Malgorzata wird noch am
selben Tag verhaftet. Man bringt beide ins Warschauer Pawiak-Gefängnis,
in dem während der deutschen Okkupation insgesamt etwa
100.000 Polinnen und Polen inhaftiert werden - oftmals als
Zwischenstation auf dem Weg in die Konzentrationslager Auschwitz
und Ravensbrück. Henryka und Malgorzata kommen mit einem
Transport von 415 Frauen aus dem Pawiak-Gefängnis und
dem Lubliner Schloß am 22./23. September 1941 in Ravensbrück
an. Sie alle werden dort unter den Häftlingsnummem 7521
bis 7935 registriert. Die meisten sind politische Häftlinge,
davon fünfzig zum Tode Verurteilte. Henryka schreibt im
Lager Gedichte, unterrichtet polnische Literatur und Geschichte.
Malgorzata ist vor allem bei den Außenkommandos in der
Landarbeit tätig.
Am 24. September 1942, zum Abendappell, werden die Namen
von acht Frauen aufgerufen, darunter Mutter und Tochter Dembowska.
Während Henryka mit den anderen in den "Bunker" gebracht
wird, kommt Malgorzata später vom Außenkommando
zurück, erfährt von ihrer bevorstehenden Exekution
und verabschiedet sich in ihrer letzten Nacht in Gesprächen
von den Mithäftlingen in der Baracke. Eine von ihnen berichtet: "Wir
beteten mit Malgorzata Sie erinnerte sich an ihr kurzes Leben,
an die Arbeit im Untergrund, an das Jahr im Gefängnis,
und an die daheimgebliebenen jüngeren Geschwister. Sie
opferte sich im Bewußtsein an die Unabhängigkeit
des Vaterlandes. Ich erinnere mich an diese Nacht mit Bewunderung
für ihre Standhaftigkeit. Vor dem Appell hat sie sich
von uns verabschiedet. Eine SS-Frau brachte sie in die Baracke,
wo sich ihre Mutter befand. Während des Abendappells beteten
wir leise für Malgorzata Wir hörten sechs Schüsse.
Bei einem ist sie gefallen.
Nach einigen Tagen fanden Kameradinnen aus der Bekleidungsabteilung
einen Zettel mit den Worten: "Wir gehen ruhig in den
Tod. Die, die in das Vaterland zurückkehren, werden
für
uns und für sich arbeiten. Polen soll leben." Eine
andere Kameradin erinnert sich: "Als die beiden Dembowskas
von uns fortgingen, da hörten wir, bevor die "Graue
Minna" angefahren kam, die Frauen im Bunker singen: "Herzlichste
Mutter" und "Gott erhalte Polen". Danach gingen
sie aus dem Bunker und Janina Borkowska warf einen Zettel
hin,
auf
dem geschrieben stand: Um drei Uhr reichte man uns im Glas
weiße Flüssigkeit - wir haben es abgelehnt. Wir
sind ruhig, wir unterhalten uns über unsere Familien,
jetzt werden wir beten ... andauernd warten wir. Nun ist
es geschehen. Wir werden erschossen. Vor einer Weile wurde
das
Urteil vorgelesen: Zum Tode verurteilt! Wir sind ruhig. Wenn
die Sirenen zum Appell heulen, werden wir gehen. betet für
uns. Lebewohl. Jetzt werden wir beten." |