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Elise Rivet
Sr. Elisabeth von der heiligen Eucharistie
1890-1945 |
Am 19.Januar 1889 wird Elise Rivet in Algerien geboren. Mit
20 Jahren kommt sie 1909 nach Frankreich, - nach Paris. 1912
tritt sie in Lyon als Postulantin in die Ordensgemeinschaft
Unserer Lieben Frau vom Mitleiden ein und erhält 1913
mit dem Ordenskleid ihren Ordensnamen Schwester Elisabeth von
der hl. Eucharistie. Am 30.März 1915 legt sie ihre ewigen
Gelübde ab und beginnt ihr 30jähriges Ordensleben.
Man überträgt ihr die Sorge für verlassene und
verwaiste Kinder. Sie wird Novizenmeisterin und Oberin. Und
es ist wieder ein 30.März - der 30.März 1933 - da
wird sie von ihren Mitschwestern zur Generaloberin ihrer Ordensgemeinschaft
gewählt; auf den Tag genau 18 Jahre nach ihrer ewigen
Profeß und 12 Jahre vor ihrem grauenvollen Opfertod in
Ravensbrück.
Als Generaloberin erlebt Mutter Elisabeth den Krieg und die
Zeit der deutschen Besatzung in Frankreich. Ihr Herz und
ihr Ordenshaus steht nun allen offen, die Schutz bei ihr suchen.
Es gelingt ihr, sich um Gefangene und zum Tod Verurteilte
zu
kümmern. Verfolgten Juden gilt ihre Hilfe, und jüdischen
Frauen und Mädchen bietet sie Unterschlupf in ihrem Haus.
Genau so steht sie französischen Widerstandskämpfern
bei und unterstützt sie. Mutter Elisabeth ist sich bewusst:
alle ihre Hilfsmaßnahmen sind nach den Nazigesetzen illegal
und strafbar. Aber sie fühlt sich im Gewissen verpflichtet,
den Notleidenden zu helfen.
Als sie am 25.März 1944 zusammen mit ihrer Assistentin
von der Gestapo verhaftet wird, steht sie zu ihrer Verantwortung.
Deportation in ein Konzentrationslager in Deutschland, lautet
das Urteil.
Am 1.Juli 1944 beginnt ihre Deportation mit Zwischenstationen
in Romainville und Saarbrücken, bis sie Ende Juli in das
berüchtigte Frauenkonzentrationslager Ravensbrück
eingeliefert wird. Dort kommt sie in den Block 15, in dem die
französischen Frauen streng getrennt von den anderen Gruppen
und eng zusammengepfercht hausen müssen. Für fünf
Gefangene gab es nur zwei Strohsäcke zum Schlafen.
Mutter Elisabeth, selbst leidend, lehnt es ab, sich ins Krankenrevier
zu melden, sie will die ganze Not und Qual ihrer Leidensgefährtinnen
teilen und ihnen beistehen und helfen an diesem Ort des Grauens.
Aus Zeugenaussagen, Berichten und Briefen von Überlebenden
wissen wir, was Mutter Elisabeth durch das Beispiel ihrer Stärke
und Zuversicht, durch ihre Güte und Hilfsbereitschaft,
durch ihren Mut und ihre Gabe des Trostes für ihre Mitgefangenen
bedeutet hat.
So heißt es in einem Brief: "Mutter Elisabeth war
ein Beispiel für uns alle an Ruhe und Heroismus. In ihrer
Gegenwart hatte man das Gefühl, von aller Gefahr entfernt
zu sein", und ihre Bettnachbarin berichtet: "Sie
murrte nie, und sie stärkte uns so gut. Vor den anderen
stand sie früh auf, um zu beten, und am Sonntag betete
sie zusammen mit den Katholiken die Messgebete." Und eine
andere Mitgefangene berichtete: "Ihr Lächeln erhellte
uns alle - sie war die Seele unserer Lagergruppe".
Diese Worte beweisen, wie Mutter Elisabeth von der hl. Eucharistie
in den 8 Monaten, die sie als KZ-Häftling in Ravensbrück
verbringen muß, das Leitwort ihres Lebens wahr macht: "Das
Lächeln auf den Lippen - das Kreuz im Herzen."
Die Karwoche 1945 wird dann für Mutter Elisabeth die letzte
und entscheidende - die große Woche ihres Lebens. Am
Montag der Karwoche wird sie in einem Transport von 1500 Frauen
in ein nahegelegenes Vernichtungslager überführt.
Am Mittwoch der Karwoche findet die Arztvisite statt. Man bemerkt
ihre geschwollenen Beine. Sie wird sofort für einen Spezialblock
bestimmt, der als letzte Station vor dem Todestransport gilt.
Am Karfreitag, dem 30.März 1945, werden aus diesem Block
500 Frauen zum Appell aufgerufen. Sie wissen, es beginnt nun
ihre letzte Reise in den Tod. Lautes Klagen und Weinen bricht
auf - Verzweiflungsschreie: "Tötet mich nicht! Laßt
mich! Ich habe Mann und Kinde!" Mutter Elisabeth erlebt
dieses schreckliche Schauspiel. Sie will helfen und diese Unglücklichen
stärken mit der Gewissheit, dass Gottes Barmherzigkeit
ihnen nahe ist.
Plötzlich erkennt Mutter Elisabeth vor sich eine Familienmutter,
deren Name aufgerufen wurde. Sie gibt ihr ein Zeichen, durch
ein Barackenfenster zu entfliehen. Einer anderen Todeskandidatin,
die doch gerettet wurde, flüstert sie zu: "Ich
breche auf zum Himmel! Gebt in Lyon Nachricht…!" Dann
steigt sie in den Todeswagen. Dort sagt sie zu den Unglücklichen: "Gehen
wir gemeinsam, ich will euch helfen, gut zu sterben." Sie
zeigt ihnen ein kleines Kreuz - zwei zusammengebundene Holzstücke
- und beginnt mit ihnen den Rosenkranz "Unserer Lieben
Frau von den sieben Schmerzen" zu beten. Von der letzten
Stunde ihres Todes gibt es keine Augenzeugen mehr.
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