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Elisabeth von Thadden
1890-1944 |
Elisabeth von Thadden wird am 31. Juli 1890 in Mohrungen/Ostpreußen
geboren. Ihr Vater ist Landrat des Kreises. Reinhard von Thadden-Trieglaff,
ihr jüngerer Bruder, gilt als Vater der Kirchentagsbewegung
nach 1945. Nach dem frühen Tod der Mutter übernimmt
sie als älteste Tochter den Haushalt auf Gut Trieglaff.
1921 besucht sie die Soziale Frauenschule, daneben unterstützt
sie die Soziale Arbeitsgemeinschaft von Friedrich Siegmund-Schultze.
Ihr Weg führt sie zur Erholungsfürsorge Heuberg
und später nach Salem am Bodensee. Dort legt sie im "Jugendheim
Charlottenburg" das Examen zur Jugendleiterin ab. 1927
gründet sie auf Schloß Wieblingen bei Heidelberg
das "Evangelische Landerziehungsheim" - eine christliche
Schule, die zugleich die Ideen der Reformpädagogik verwirklichen
soll.
1934 schließt sich Elisabeth von Thadden in Heidelberg
der Bekennenden Kirche an. In Verbindung mit dem Stadtpfarrer
Hermann Haas verhilft sie Juden zur Flucht ins Ausland. Noch
lange nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten
behandelt sie als engagierte christliche Pädagogin politisch
brisante Themen, so den Reichstagsbrand und die "Rassenfrage".
Ein 1941 von der Gestapo erstelltes Gutachten kommt zu dem
Schluß, daß Elisabeth von Thaddens "kirchliche
und religiöse Bindungen außerordentlich stark sind.
Das Landerziehungsheim wird auch weiterhin seine Schüler
auf christlicher Grundlage erziehen." Als sie von einer
Schülerin denunziert wird, beginnen stundenlange Verhöre
durch die Gestapo. Sie wird freigelassen, jedoch ihres Amtes
enthoben. Als Angestellte arbeitet sie beim Deutschen Roten
Kreuz in Berlin; später wird sie Schwestemhelferin im
französischen Meaux.
Im Herbst 1943 treffen sich getarnt unter dem Namen "Teegesellschaft" oppositionelle
Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes abwechselnd bei Hanna
Solf und bei Elisabeth von Thadden. Elisabeth von Thadden sieht
in dieser Zeit eine christliche Haltung nicht an das christliche
Bekenntnis gebunden, sondern als eine Frage der menschlichen
Reife. Sie will Kontakte zu amerikanischen Quäkern herstellen,
um Hilfsmaßnahmen für die Nachkriegszeit vorzubereiten.
Trotz einer ihnen bekannt gewordenen Denunziation befinden
sich die Mitglieder der "Teegesellschaft" noch vier
Monate in Freiheit. Elisabeth von Thadden hat die Möglichkeit
zu fliehen, denkt jedoch an die anderen, die sie durch ihre "Gutgläubigkeit
in Gefahr gebracht" hat. "Ich würde gern mein
Leben geben, wenn ich die anderen damit retten könnte".
Am 12. Januar 1944 wird sie in Meaux verhaftet. Sie wird
im Zellenbau des Frauen- KZ Ravensbrück als Sonderhäftling
inhaftiert. Dort führt man die "Teegäste" an
ihr vorüber. Nun weiß sie, daß alle Mitglieder
des Kreises verhaftet wurden. Hanna Solf berichtet später,
Elisabeth von Thadden sei entsetzt gewesen, als sie ihre Freunde
in dieser Hölle wiedersah.
Am 1. Juli 1944 wird Elisabeth von Thadden zusammen mit dem
Gesandten Dr. Otto Kiep vom Volkgerichtshof wegen Wehrkraftzersetzung
und Feindbegünstigung zum Tode verurteilt. "Mit der
Aktion vom 20. Juli habe ich nichts zu tun gehabt, ich kenne
keinen dieser Leute. Wir wollten nur Hilfe leisten, in dem
Augenblick, wo diese Hilfe not tat. Daß dieser Augenblick
kommen mußte, war klar. Wir wollten barmherzige Samariter
sein." Vor ihrer Hinrichtung, am 8. September 1944 in
Berlin-Plötzensee kann sie noch aus der Hand des Gefängnisseelsorger
Pfarrer Ohm das Heilige Abendmahl empfangen. Ihre letzten Worte: "Mach
End, o Herr, mach Ende mit aller unsrer Not!"
Das von ihr gegründete "Evangelische Landerziehungsheim" in
Heidelberg-Wieblingen trägt heute ihren Namen: Elisabeth-von-Thadden-Schule. |